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Innentwicklungsmanagement Ludwigsfelde

Kategorie: Strategischer Ansatz
Schlagwörter: Beteiligung, Innenentwicklungsmanagement, Modellprojekt
 Luftsicht auf die Wohnhäuser der Stadt Ludwigsfelde. Neben gelben Wohnblöcken gibt es auch viele Einfamilienhäuser.

© Stadt Ludwigsfelde

Ludwigsfelde, Brandenburg
27.078 Einwohner (1)

Durchschnittliche Abweichung der Angebotsmiete vom Bundesdurchschnitt 2018:
+6 % (3)

Projektbeschreibung

Die Stadt Ludwigsfelde, unweit der Stadtgrenze Berlins gelegen, verzeichnet seit 2014 einen deutlichen Wanderungszuwachs. Es besteht ein hoher Neubaubedarf, sowohl für Einfamilienhäuser als auch Geschosswohnungen. Aufgrund eingeschränkter Entwicklungsmöglichkeiten müssen dafür auch Wohnbaupotenzialflächen innerhalb der Kernstadt aktiviert werden. Gleichzeitig wird so die Stadtmitte in ihrer Funktion als Versorgungszentrum gestärkt. Für die Aktivierung der Flächenpotenziale wurde im Rahmen eines Modellvorhabens ein Innenentwicklungsmanager eingesetzt. Er war vor allem mit der Erarbeitung und Prüfung von Methoden zur Aktivierung von Flächen der Innenentwicklung betraut. Durch ihn wurde u. a. ein Flächenkataster aufgebaut, welches potentielle Wohnbauflächen identifizierte und Informationen zu den einzelnen Flächen aufzeigt. Für einige der identifizierten Potenzialflächen wurden städtebauliche Ideen entwickelt und in Form von Architektenskizzen auf Bürgerforen vorgestellt und diskutiert.

Im Laufe des Modellvorhabens zeigte sich, dass die Bevölkerung einer baulichen Verdichtung sowie einer sichtbaren sowie gefühlten Veränderung eher skeptisch gegenübersteht. In den Diskussionen vor Ort entwickelte sich eine Abwehrhaltung gegenüber Verdichtungsmaßnahmen jeder Art, teilweise unter Berufung auf das Gewohnheitsrecht.

Beitrag zur Neubauakzeptanz: 

Um Bewohnerinnen und Bewohner nicht zu überfordern sowie im Quartiersentwicklungsprozess mitzunehmen, ist eine schrittweise Aktivierung der Potenziale in kleinen Schritten vorstellbar. Wichtig ist der Ansatz der doppelten Innenentwicklung, bei dem die verbleibenden Grünräume funktional aufgewertet werden, die zielgruppenorientierte Verdichtung, z. B. durch die Schaffung altersgerechten Wohnraums im Quartier erreicht, sowie spezifische Gegebenheiten vor Ort (z. B. der Bedarf nach Parkmöglichkeiten im Quartier) beachtet werden. Die Innentwicklungsmaßnahmen, insbesondere solche, die einen sichtbaren Eingriff in den baulichen Bestand und das Wohnumfeld mit sich bringen, müssen durch eine intensive, transparente Kommunikation begleitet werden. Nur so kann der Aushandlungsprozess vor Ort gelingen und die Stadtgesellschaft eingebunden werden. Das Flächenkataster konnte in diesem Kontext bereits als Grundlage bei der Vermittlung und dem Verkauf eines städtischen Grundstücks an einen sozialen Träger zur Errichtung einer Tagespflege-/Sozialstation mit Wohnungen für betreutes Wohnen im Rahmen der Nachverdichtung genutzt werden. Der Stadt Ludwigsfelde war es dabei wichtig, dass mit einem solchen Projekt auch ein Mehrwert für das Quartier oder die Stadt generiert werden kann. Dieser Mehrwert kann sozialer, ökologischer, städtebaulicher Natur sein und muss durch den Erwerber des Grundstückes dargestellt werden. Je mehr solcher Aspekte in einem Projekt umgesetzt werden, desto höher kann Akzeptanz für die Nachverdichtung in der Bürgerschaft gewonnen werden.

Weitere Fotos

Luftsicht auf die Wohlblöche, die in hellen Farbtönen in Gelb, Grün und Beige erscheinen. Diese sind von Grün umgeben.
Frontsicht auf Garagen und Unterstellplätze der Siedlung. Sie sind alt aber gut erhalten.
Mitbürger der Stadt Ludwigsfelde stehen vor dem Stadtplan und begutachten die Karte. Sie sind Teil des Bürgerforums.

Weiterführende Informationen

BBSR (2019): Aktivierung von Innenentwicklungspotenzialen in wachsenden Kommunen. Ein ExWoSt Forschungsfeld. In: ExWoSt-Informationen 51/2. 

(1) Datenquelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, Stand 31.12.2019

(3) empirica ag (empirica-systeme Marktdatenbank); Kommunen mit weniger als 50 Mietangeboten im Jahr 2018 wurden nicht berücksichtigt.

Bildnachweise: © Stadt Ludwigsfelde